Sorkwity / Sorquitten liegt etwa 50 km östlich von Allenstein (Olsztyn) entfernt, auf einer Landenge zwischen dem Gieland- und dem Lampaschsee. Der ursprüngliche Name Sarkewitte leitet sich vom naheliegenden kleinen Sark-See ab. Der in Ortsnamen häufige Ortsnamensbestandteil witte bedeutet so viel wie Stätte, so dass die Bedeutung von Sorquitten mit Stätte (Ort) am Sark-See zu beschreiben wäre. Sorquitten ist ein altes kleines Dörfchen, das im 14. Jahrhundert von Winrich von Kniprode, einem Großmeisters des Ritterordens gegründet wurde. Von 1451 bis 1459 gehörte das Gut (2250 ha) Jan von Krenit Przebędowski. Er verkaufte es dann an Georg von Schlieben, dessen Familie ihren Stammsitz in Gerdauen hatte. Spätere Besitzer waren dann ab 1599 Sigismund von Egloffstein (in seiner Familie blieb es bis 1693) und von 1693 an die Familie von der Groeben, von der es 1750 die Familie von Bronikowski erbte und bis 1804 führte.

Ernst Friedrich Gottlob von Mirbach (1753–1823) aus Kurland trat 1804 als Käufer auf. Er und seine Nachfolger aus der Familie von Mirbach brachten das Gut letztlich zu wirtschaftlicher Blüte. Der Sohn und Erbe, Julius Theodor von Mirbach (1804–1862) ließ 1850 bis 1856 das noch heute stehende große Schloss im Stil der Tudor-Castle-Gothic mit einer vielgestaltigen Backsteinfassade erbauen und von einem ausgedehnten Landschaftspark am See umgeben, dessen Anlagen vor allem auf seine Frau Ulrike von Mirbach, geb. von Elditt (1816–1880), zurückgehen. Sein Sohn, Julius Ulrich von Mirbach (1804–1921), Reichstagsabgeordneter, Kreisdeputierter und Forst- und Jagdfachmann, wurde 1888 in den Grafenstand erhoben; er vergrößerte das Gut, u.a. durch den Kauf des kleinen Nachbargutes Heinrichshöfen im Jahre 1865, auf 5770 ha (1904). Sein Erbe war 1921 sein Neffe Kapitänleutnant Freiherr Bernhard von Paleske (1877–1962), der letzte deutsche Besitzer bis 1945. Er ließ das in der Nacht vom 27. zum 28. August 1914 ausgebrannte Schloss Sorquitten in den Jahren 1922 und 1923 in alter Form wiederherstellen.

Erstmals 1470 wurde die Kirche, 1494 der erste Pfarrer urkundlich erwähnt. Zunächst handelte es sich um eine strohgedeckte Fachwerkkirche, die um 1600 abgerissen und durch eine barocke Steinkirche ersetzt wurde. Die von den Gutsherren gestiftet Feldsteinkirche dient auch heute noch der evangelischen Glaubensgemeinschaft in Sorquitten und der weiteren Umgebung.

Der östliche Teil mit der Sakristei entstand 1593 - 1607, der westliche 1698/99. Den Turm errichtete man 1701 - 1721. Bei Umbauten 1750 - 1777 setzte man die halbrunden Fenster und das auf kleine Säulen gestützte Tonnengewölbe innen ein und seitdem hat sich das äußere Erscheinungsbild der Kirche nicht mehr gewandelt.

Der Turm trägt ein Zeltdach mit einer Wetterfahne von 1777 zur Erinnerung an die Umbauarbeiten im Jahr 1776. Damals war der marode obere Teil des Turm um 35 Fuß abgetragen und im folgenden Jahr so hergerichtet worden, wie er heute noch steht.

 

Wesentliche Teile der Innenausstattung stammen von Isaac Riga um 1701,

1. so die umgestaltete Kanzel von 1694, der schwebende Taufengel, gestiftet von Georg Dietrich von der Groeben, Obergeschoß und Schleier des Altars.

2.der Altar im Stil der Spätrenaissance aus Holz wurde von Friedrich Pfeffer aus Königsberg 1715 mit einem alten, 1623 von Christoph Bilich und Martin Lange geschnitzten Altar zusammenfügt. Der obere Teil und der Schleier sind das Werk von Isaac Riga aus Königsberg aus dem Jahre 1701. Oben im Altar ist das Datum 1642 vermerkt. In der Predelle auf dem Altartisch ist das Letzte Abendmahl dargestellt. Der zentrale Teil stellt Golgatha dar. Hier sind auch charakteristische Merkmale für Sorquitten zu sehen: die Fischer und Bauern sowie das Gutshaus der Patronatsherren von Sorquitten vor dem Umbau von 1855-1856 durch Julius von Mirbach und die Patrone der Kirche zu beiden Seiten, links Moses und rechts Aaron. Im Altaraufsatz ein Relief: Die Grablegung, daneben die Figuren der Evangelisten Markus und Lucas. Restaurierung 1941.

3.Der Taufengel wurde gestiftet von Georg Dietrich von der Groeben und geschaffen 1701 von Isaac Riga und dem Vergolder Johann Bock. Er kann bei Bedarf mit einem Seilzug von der Decke herabgelassen werden. Taufengel gab es zuerst in Ostpreußen im späten 17. Jh. Von hier aus verbreiteten sie sich in ganz Preußen, vielleicht auch in Deutschland. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts verschwand dieser Trend wieder.

4.Das Patronatsgestühl entstand um 1615/17 im Stil der Spätrenaissance. Die Seitenwände und die Barockbekrönung wurden im Jahre 1715 vom Bildhauer Reh geschaffen. Man erkennt in den Kartuschen die später angebrachten Wappen der Familien v. d. Groeben, v. Schlieben, v. Mirbach mit der Losung "Leide und meide" und v. Paleske

5.Das Barockkruzifix aus dem Jahre 1710 ist das Werk des örtlichen Pfarrers Johann Riedel (18.4.1671 - 16.6.1737), eines Bruders des Bildhauers Georg Riedel, der den Orgelprospekt schuf. Das Kruzifix wurde 1945 teilweise zerstört. Es handelt sich dabei um ein sog. Pestkreuz zur Erinnerung an die Pest, die 1709-1710 im Sorquitter Kirchspiel gewütet hatte. Hierüber hatte Pfarrer Riedel einen "Gründlichen Bericht, wie die große Strafe Gottes, nämlich die Pest, in mein Sorquittisches Kirchspiel gekommen und was dabei für Denkwürdigkeiten sich zugetragen, von mir Johann Riedel, Pastore treulich beschrieben als ein Diarium" verfasst.

6.Der Beichtstuhl aus dem Jahre 1702 ist das Werk von Johann Schwarz aus Grünwalde. 1715 wurde er mit Säulenschnecken und ionischer Bekrönung ergänzt. Oben das Lamm als Symbol des Opfers.

7.Der Orgelprospekt von 1706 ist ein Werk von Georg Riedel (1676 - 1738), geboren in Sensburg und auch als Organist und Komponist tätig. Ein Nachfahre der Riedels in unserer jetzigen Zeit war verwandt mit dem Kirchenbaumeister Arthur Kickton, der etliche Kirchen in Ostpreußen geplant hat.

8.Die Orgel selbst stammt aus dem Jahre 1876. Es handelt sich um eine Orgel der Orgelbauwerkstatt Sauer in Frankfurt an der Oder mit der Werkzahl 212. Sie war überholungsbedürftig, jedoch konnte im Jahr 2010 die Restaurierung abgeschlossen werden.

9.Außerordentliches: bei der Darstellung von Christi Himmelfahrt im Deckengemälde ist nur der Unterleib des auferstandenen Christus mit den Beinen zu sehen - der Oberkörper hat bereits die Decke durchstoßen.

Auf dem Kirchhof steht ein Gedenkstein mit Umfriedung, der an den in Sorquitten geborenen preußischen Generalstabsarzt Johann Goercke (1750–1822, Sohn von Pfarrer Johann Goercke, der hier 1743–1758 amtierte) erinnert. Er war der Begründer des modernen preußischen Militär-Sanitätswesen. Der Gedenkstein wurde 1860 gestiftet und 1913 aufgrund starken Verfalls durch einen neuen ersetzt.

Auf dem Kirchengelände befindet sich ein großer Granitstein mit einer bronzenen Gedenktafel und der Inschrift „In memorian Pastor Hans Mohn“. Pastor Mohn wurde in Tilsit geboren. Nach seiner Flucht war er zunächst Industriepfarrer in Hamburg, wurde aber nach Problemen mit seinen Vorgesetzten (Roter Mohn) nach Sylt versetzt. Als Pastor der Nordkirche auf Sylt setzte er sich 1986 nachdrückich für eine Partnerschaft mit Sorquitten ein. Dies hat zu einem intensiven persönlichen und wirtschaftlichen Austausch zwischen beiden Gemeinden geführt. Deshalb stiftete man ihm hier diesen Gedenkstein.

 

 

https://www.ostpreussen.net/ostpreussen/orte.php?bericht=2821

https://www.masuren.de/90-home/145-sorkwity-in-masuren-sorquitten-schloss.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Goercke

https://www.ostpreussen.net/ostpreussen/orte.php?_l=2&bericht=2825

 

Text.: M. Grygo

Foto.: K. Grygo

 

In Sorquitten


29 January 2020

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